Opferboy ~ #2
Was ist bis jetzt geschehen? In #1 (You cannot kill what you did not create) musste Opferboys Wecker daran glauben, als seine Mutter ungnädig darauf bestand, dass er aufstand um in die Schule zu gehen. Doch der Tod des Weckers ließ ihn hoffen, auf eine neue Stereoanlage. Doch welche Wendung des Schicksals wird unseren Helden Linus seiner Bestimmung entgegen treiben? Es ist Zeit für eine neue Ausgabe von – Opferboy!
Oooopferboy what is the secret of your Childhood?
Der Bus: Dreams are my reality.
Es war vorprogrammiert, wie ein aufwendiger Computer, nein, ein Roboter, der installiert wurde mit dem immergleichen Auftrag: der einen Funktion. Wenn Linus aus dem Bad trat und seinen ersten Fuß auf die Treppe setzte, dann begann der Ablauf, er konnte es fast quietschen hören, die schwerfällige Mechanik, das Kreischen der alten verrosteten Gelenke, wie sie sich durch die ausgeleierten Scharniere quälten, die Hüfte noch immer fast parallel zur Spüle, das Becken zwar noch schmal, aber der Hintern platt. Zuerst kam die rechte Schulter nach hinten, gefolgt vom Kinn, das sich nach oben schwang, um zu kontrollieren, ob er sich richtig angezogen hatte. Sein Vater war um diese Uhrzeit entweder schon aus dem Haus, oder noch im Bett. Aber seine Mutter war da, der Koch-Gängel-Putz-Erzieh-Einfühl-Roboter M-3d Damn Surround®.
Wenn das Leben eine Gleichung wäre, in der alle unveränderlichen Konstanten herausgekürzt werden könnten, das Frühstückprocedere mit seiner Mutter wäre in Sekunden weg. Scheiß Mathe: Müsli verweigern, Kaffee fordern, Tee missachten, aufstehen, fertig, Tür, WUMM, ab zum Bus.
Vielleicht würde er ja den Bus verpassen, was sollte er schon in der Schule, wo nichts gelehrt wird, außer die Verweigerung der Wahrheit, was wiederum nur eins bedeuten kann: Der Weg nach unten, yeah. In den Abgrund, Mann! Also warum nicht etwas schlendern, den Bus verpassen und der Bestimmung schneller entgegen treten? Was sprach dagegen? Sein Blick wanderte an den Wänden entlang und berührte, streifte ein Werbeplakat: H&M, eine Frau - Vic, das war der Grund, das war das Gegenargument, der Grund in die Schule zu gehen. Ihr, ihr... Sie - er wußte nicht wirklich was, aber ihr - er wollte sie einfach sehen, sie ansprechen oder vielleicht sich nur vorstellen wie er sie ansprechen könnte, ja, und es vielleicht auch tun, ja, heute - vielleicht. Aber sie war da. Das war sicher. Vielleicht war sie seine Rettung, wenn es denn so etwas wie Rettung gab. Sie war immer da, wenn Linus um die Ecke schlenderte und krampfhaft versuchte ruhig zu atmen, damit niemand merkte, dass er die letzten drei Blöcke gerannt war um, ja, um sie zu sehen, schneller bei ihr zu sein. Damit sie noch etwas zusammen an der Haltestelle stehen konnten und noch genügend Zeit wäre, wenn er sie ansprechen würde und sie sich entschließen könnte, sich neben ihn in den Bus zu setzen, wenn er sie denn anspräche.
Linus war außer Atem, das war er und stumm, das war er auch. Stumm wie ein Fisch, aber lächelnd, grinsend - wenn sie nicht in seine Richtung sah. Heute würde das nicht anders sein. Er rannte los. Kurz vor der letzten Straßenecke hielt er inne und versuchte ruhig zu atmen, bevor er um die Ecke ging, um sich den Schreck seines noch jungen Lebens abzuholen und um zum ersten mal in seinem Leben in das böse Auge der Konkurenz zu blicken. Neben Vic stand ein Junge den er nicht kannte und – er redete mit ihr und sie – lachte. Als er da stand, die Hände in den Hosentaschen, krampfhaft ruhig atmend, sah sie zu ihm hin und er wollte lächeln, das wollte er wirklich. Ihr zulächeln und signalisieren: "Hey Vic, mach dir keine Sorgen, jetzt bin ich bei dir." Doch bevor er sich überhaupt als zu feige zum lächeln zeigen konnte, drehte sie sich schon wieder zu diesem Penner um. Das war ein Tiefachlag, der ihn mitten in die noch unbewachsene Zone traf das es schmerzte. Wer war dieser Kerl? Wieso redete er einfach mit ihr? Wie konnte er, einfach so? Langsam ging er näher und die ersten Fetzen des Präpickelbrunftgeschäckers drang an seine flaumigen Ohren. Die beiden schäckerten richtig. Ihm wurde schlecht und er konnte nichts anderes tun, als cool, mißmutig, mit den Händen in den Taschen auf den Boden starren und in unregelmäßigen Abständen entweder gegen das Bushaltestellenschild treten oder auf den Boden zu rotzen. Was blieb ihm denn sonst noch? Wenn er Glück hatte, würde ihn vielleicht der Bus mitreißen und zu Tode quetschen. Er würde am Boden liegen, mit verteilten Gedärmen und dann, ja dann würde sie erkennen müssen, dass ein Leben ohne ihn nicht möglich war.
Dummerweise verlor der Busfahrer beim um die Ecke biegen wiedereinmal nicht die Kontrolle über den Bus und die aufschwingende Tür sog sie alle auf um sie angewidert vor der Schule wieder auszuspucken. Im Bus wurde alles noch schlimmer. Der Wicht ließ von Vic ab und ploppte neben ihm in den freien Sitz: "Hey, ich bin Aaron. Gehst du auch auf die Waldorfschule?" Linus sah aus dem Fenster nickte und wenn er noch etwas Hoffnung in sich getragen hätte, jetzt war es dahin. Schöne Scheiße.
Oooopferboy what is the secret of your Childhood?
Der Bus: Dreams are my reality.
Es war vorprogrammiert, wie ein aufwendiger Computer, nein, ein Roboter, der installiert wurde mit dem immergleichen Auftrag: der einen Funktion. Wenn Linus aus dem Bad trat und seinen ersten Fuß auf die Treppe setzte, dann begann der Ablauf, er konnte es fast quietschen hören, die schwerfällige Mechanik, das Kreischen der alten verrosteten Gelenke, wie sie sich durch die ausgeleierten Scharniere quälten, die Hüfte noch immer fast parallel zur Spüle, das Becken zwar noch schmal, aber der Hintern platt. Zuerst kam die rechte Schulter nach hinten, gefolgt vom Kinn, das sich nach oben schwang, um zu kontrollieren, ob er sich richtig angezogen hatte. Sein Vater war um diese Uhrzeit entweder schon aus dem Haus, oder noch im Bett. Aber seine Mutter war da, der Koch-Gängel-Putz-Erzieh-Einfühl-Roboter M-3d Damn Surround®.
Wenn das Leben eine Gleichung wäre, in der alle unveränderlichen Konstanten herausgekürzt werden könnten, das Frühstückprocedere mit seiner Mutter wäre in Sekunden weg. Scheiß Mathe: Müsli verweigern, Kaffee fordern, Tee missachten, aufstehen, fertig, Tür, WUMM, ab zum Bus.
Vielleicht würde er ja den Bus verpassen, was sollte er schon in der Schule, wo nichts gelehrt wird, außer die Verweigerung der Wahrheit, was wiederum nur eins bedeuten kann: Der Weg nach unten, yeah. In den Abgrund, Mann! Also warum nicht etwas schlendern, den Bus verpassen und der Bestimmung schneller entgegen treten? Was sprach dagegen? Sein Blick wanderte an den Wänden entlang und berührte, streifte ein Werbeplakat: H&M, eine Frau - Vic, das war der Grund, das war das Gegenargument, der Grund in die Schule zu gehen. Ihr, ihr... Sie - er wußte nicht wirklich was, aber ihr - er wollte sie einfach sehen, sie ansprechen oder vielleicht sich nur vorstellen wie er sie ansprechen könnte, ja, und es vielleicht auch tun, ja, heute - vielleicht. Aber sie war da. Das war sicher. Vielleicht war sie seine Rettung, wenn es denn so etwas wie Rettung gab. Sie war immer da, wenn Linus um die Ecke schlenderte und krampfhaft versuchte ruhig zu atmen, damit niemand merkte, dass er die letzten drei Blöcke gerannt war um, ja, um sie zu sehen, schneller bei ihr zu sein. Damit sie noch etwas zusammen an der Haltestelle stehen konnten und noch genügend Zeit wäre, wenn er sie ansprechen würde und sie sich entschließen könnte, sich neben ihn in den Bus zu setzen, wenn er sie denn anspräche.
Linus war außer Atem, das war er und stumm, das war er auch. Stumm wie ein Fisch, aber lächelnd, grinsend - wenn sie nicht in seine Richtung sah. Heute würde das nicht anders sein. Er rannte los. Kurz vor der letzten Straßenecke hielt er inne und versuchte ruhig zu atmen, bevor er um die Ecke ging, um sich den Schreck seines noch jungen Lebens abzuholen und um zum ersten mal in seinem Leben in das böse Auge der Konkurenz zu blicken. Neben Vic stand ein Junge den er nicht kannte und – er redete mit ihr und sie – lachte. Als er da stand, die Hände in den Hosentaschen, krampfhaft ruhig atmend, sah sie zu ihm hin und er wollte lächeln, das wollte er wirklich. Ihr zulächeln und signalisieren: "Hey Vic, mach dir keine Sorgen, jetzt bin ich bei dir." Doch bevor er sich überhaupt als zu feige zum lächeln zeigen konnte, drehte sie sich schon wieder zu diesem Penner um. Das war ein Tiefachlag, der ihn mitten in die noch unbewachsene Zone traf das es schmerzte. Wer war dieser Kerl? Wieso redete er einfach mit ihr? Wie konnte er, einfach so? Langsam ging er näher und die ersten Fetzen des Präpickelbrunftgeschäckers drang an seine flaumigen Ohren. Die beiden schäckerten richtig. Ihm wurde schlecht und er konnte nichts anderes tun, als cool, mißmutig, mit den Händen in den Taschen auf den Boden starren und in unregelmäßigen Abständen entweder gegen das Bushaltestellenschild treten oder auf den Boden zu rotzen. Was blieb ihm denn sonst noch? Wenn er Glück hatte, würde ihn vielleicht der Bus mitreißen und zu Tode quetschen. Er würde am Boden liegen, mit verteilten Gedärmen und dann, ja dann würde sie erkennen müssen, dass ein Leben ohne ihn nicht möglich war.
Dummerweise verlor der Busfahrer beim um die Ecke biegen wiedereinmal nicht die Kontrolle über den Bus und die aufschwingende Tür sog sie alle auf um sie angewidert vor der Schule wieder auszuspucken. Im Bus wurde alles noch schlimmer. Der Wicht ließ von Vic ab und ploppte neben ihm in den freien Sitz: "Hey, ich bin Aaron. Gehst du auch auf die Waldorfschule?" Linus sah aus dem Fenster nickte und wenn er noch etwas Hoffnung in sich getragen hätte, jetzt war es dahin. Schöne Scheiße.
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