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Shopping-Demenz

Wenn ein Gespräch in der besseren Gesellschaft unfreiwillig auf den Punkt kommt. Oder, neulich Ostermontag am Timmendorfer Strand. Die Geschäfte der Strandpromenade haben natürlich geöffnet.

Eheidyll an einem wunderschönen Feiertag. Die Sorgen sind weit und die Depression, die das Land erfasst hat, ist hier im gehobenen Preissegment angesiedelt.
"Wie findest du die neue Jacke?" Ihr stolzer Blick funkelt ihn an.
"Bißchen folkloristisch, oder?" Seine Augen funkeln auch nicht schlecht. Die beiden sitzen gemütlich auf einer Bierbank am Strand. Der junge Weimeraner tollt übermutig im Sand. Sie ist keineswegs seiner Meinung.
"Nein, folkloristisch? Wirklich? Dann zieh ich die Jacke nicht mehr an. Folkloristich? Nein, niemals." Ihr Blick, fragend zur Freundin gerichtet. Die, goldene Brille, goldener Ring, goldener Ohrring, goldenes Leben, goldig einfältig hat sich die gleiche Jacke gekauft. Etwas unsicher streicht sie sich mit beiden Händen die Jacke vor der Brust glatt.
"Wegen dem Rot? Das ist nicht folkloristisch." Der Mann bleibt hart, zumindest etwas. Das Spiel bereitet ihm vergnügen, wie dem jungen Hund der gerade übermutig ein Kleinkind umschmeißt. Das Kind plumpst auf den Hintern, weint, die Eltern beruhigen es. Der Hund wird kurz getadelt, so kurz wie er innehält und weiter wetzt. Das Spiel geht weiter:
"Hast du dir nicht so eine Jacke schon auf Sylt gekauft?" Sie stutzt, sieht ihn an.
"Auf Sylt? Nein, ich habe – noch nie – nie auf Sylt so eine Jacke gekauft."
"Doch, auch in so einem Laden."
"Auf Sylt habe ich noch nie in so einem Laden eingekauft."
"Letztes Jahr."
"Nein, auf Sylt. Nie." Er lächelt seine Frau liebevoll an und zwinkert ihr zu.
"Das nennt man Shopping-Demenz." Sie kichert stolz.
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Das letzte Hemd ~ Brokeback Mountain

Eins vorweg, es scheint doch noch möglich zu sein, in einem großen Kino zu sitzen, ohne die Dezibel-Kraft eines Jets ertragen zu müssen. "Quiet is the new loud" - auch wenn das jetzt nichts neues ist.

Dieser Film steht im direkten Bezug zu "Straight Story" von David Lynch. Ein Film der sein Tempo kennt. Auch bei "Faktotum" war klar, wie wundervoll eine langsame, einfache Geschichte sein und "Brokeback Mountain" erzählt im richtigen Rythmus, eben mit Taktgefühl. Trotzdem kommt hier keine Lobhudelei, denn es geht nicht um Lob, es geht um eine Geschichte, die man erzählt, ehrlich gegenüber dem, was in der Geschichte steckt und nicht was vielleicht darin sein könnte. Die Kraft einer Erzählung zu spüren und kompromißlos auf deren Spur zu suchen und gleichzeitig Vertrauen in die Geschichte zu haben, ist eine Kunst. "Die Story sagt dir schon was passieren wird." Das ist zwar kein wörtliches Zitat von Syd Field, aber ein sinngemäßes.



Das letzte Hemd. Eigentlich gibt man ja sein letztes Hemd her, für etwas wichtiges, großes. Hier ist es anders. Hier bleibt das letzte Hemd übrig, aber ist das wenig? Keine Ahnung. Ich muss sagen, dass ich selten einen Film gesehen habe, der mich so berührt und ergreift, aber gleichzeitig so kalt läßt. Deshalb fällt es auch schwer darüber zu schreiben, deshalb weiter, weiter, weiter.



In diesem Film wird wenig gesprochen und das ist vielleicht auch die beste Methode über diesen Film zu reden, Freunde. Aber naja, die Filmkritik ging jetzt ganz schön in die Hose. Oder?
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Jaja, gegen die Kleinen...

...da trauen sie sich. Gegen Milan die Hosen voll, dass es warm um die Hüfte wird, gegen den HSV ein Dämpfer vor den bayrischen Bug und von Werder mit den eigenen Mitteln geputzt. Und dann wurde auch noch der Titan plastiniert. Aber dann - gegen die kleinen, gegen die trauen sie sich.

Das ist schon etwas schäbig, wenn der Trainer des FC Bayern nach dem Spiel, den kurz vorher mit 3:0 gewonnen Pokalfight, mit der vorhergegangen Klatsche gegen den Ligakonkurrenten vergleicht. Schließlich ist Werder ein gestandener Championsleauge-Teilnehmer und St. Pauli nur der ehemalige Weltpokalssiegerbesieger aus der 3. Liga mit geringen Aufstiegschancen. Zuerst 0:3 in der Liga verlieren, als bessere Mannschaft und dann als Revanche den kleinen Drittligisten 3:0 besiegen und schlechter spielen. Na Bravo. Das ist, als hätte Schwarzenegger in Terminator 2, nachdem er wiedereinmal von dem überlegenen neuen Terminator einen aufs Maul bekommen hat, den kleinen Jungen verprügelt. So als Ausgleich. Großer Sport. Oder Deutschland, nach dem Weltkrieg, gut Weltherrschaft hat nicht geklappt, dann machen wir halt jetzt Luxemburg platt, oder noch besser Liechtenstein. Also kein guter Vergleich, auch wenn das Ergebnis ihn nahe legt.

St. Pauli hat besser gespielt, als ihre Situation vermuten lässt und trotzdem verloren. Jetzt sind also die Bayern im Finale, der Schmuse-es-geht-ums-große-ganze-Titan hat sensationel gehalten und die großartigen St. Pauli Fans singen so leidenschaftlich, dass auf der Reeperbahn die Buchse flippt. Was für ein Abend. 3:0 Super, ich freu mich auf Berlin.
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Die Nation auf der Bank

Es sind nur noch wenige Wochen bis zur WM. Die Aufregung steigt und direkt proportional zur Vorfreude anderer Länder auf dieses Ereignis, steigt im Land der Dichter und Denker die Hysterie.

Natürlich ist die Angst berechtigt wenn vor diesem Großereignis unsere Nationalmannschaft schwächelt. Das Gastgeber-Team ist schließlich mitverantwortlich für die Stimmung während der WM. Man überlege sich nur einmal wie die EM in Portugal verlaufen wäre, bezogen auf das Zuschauerinteresse, wenn Portugal in der Vorrunde ausgeschieden wäre. Uiuiui.

Die Nationalmannschaft durchlebt gerade ein Tief, was bei einer derart jungen Truppe mehr als normal ist. Nur leider ist das der Öffentlichkeit recht wurscht. Sie will die Mannschaft Klinsmanns Reichsadler gleich von Triumph zu Triumph flattern sehen. Was auch sonst. Und was passiert nun, wo das Projekt WM-Sieg (d'runter geht nix) leicht, zwinker, zwinker, gefährdet ist? Das, was immer passiert: Jeder weiß alles besser. Eine ganze Nation auf der Trainerbank. Überall Fachleute. Als ob es von denen nicht schon genug gäbe.
Da kann man sich auf bestimmte Dinge verlassen. Die Bild z.B. macht es dem Team vom Klinsi vor und schwebt Reichsadler gleich von Anti-Klinsi zu Anti-Klinsi Kampagne. Und wer springt nicht gerne auf einen Zug auf, der nicht gewillt ist zu stoppen – koste es was es wolle? Getreu dem Motto unseres Innenministers: Krakel vorher, wenn's schiefgeht bist du dann raus aus dem Schneider. Super. Also machen wir es so, wie wir kleines defätistisches Völkchen, es uns immer selbst machen, schön mies. Warum auch anders? Warum nicht einfach mal freuen? Hm. Vielleicht ne Option? Aber, naja - man fürchtet sich in Deutschland ja schon davor auf das falsche Pferd zu setzten, oder ins offene Messer zu laufen, wieder zwinkerzwinker.

Aber was ist die Lösung? Vielleicht sollten wir nicht alle auf die Bank, sondern auf die Couch? Woody Allen hilft das ja manchmal – wir Land-Neurotiker. Tja, und heute Abend geht es gegen unsere Befreier. Vielleicht werden wir ja wieder befreit, vom Formtief, und hauen die US-Boys, schon wieder zwinkerzwinker, so vom Platz, dass ihr Flieger zurück gar keine Startbahn braucht, um abzuheben. Vielleicht.

Zum Spiel gegen die USA
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Der Exorzismus

Von Fragen die besser unbeantwortet bleiben, oder die man sich nicht stellen sollte, oder die man die sein lassen sollte, die sie sind. Oder noch besser: Muß das Muß das sein sein?

Zuerst habe ich die Ablage neben der Spüle frei geräumt, um Platz zu schaffen. Die meisten Sachen habe ich auf dem Küchentisch abgestellt. Dann mußte ich die bereits getrockneten Teller, Tassen und sonstiges in die Schränke einräumen. Erst dann ließ ich heißes Wasser in die Spüle laufen, wobei ich die Hand ins Wasser hielt um gleich mit kaltem Wasser regulieren zu können. Ich wollte mir nicht die Finger verbrühen. Ich fing mit den Gläsern an, die ich vorsichtig ausspülte und dann auf das Trockengestell stellte. Dann legte ich das gesamte dreckige Besteck in das Becken. Danach spülte ich die Teller. Zuerst die weniger verschmutzten und schließlich die richtig dreckigen. Als ich damit fertig war, waren nur noch ein Topf, eine Pfanne und das eingeweichte Besteck übrig. Allerdings war das Wasser schon dermaßen verschmutzt, dass ich es lieber abfließen ließ und neues heißes Wasser über das Besteck in die Spüle gab. Das Besteck war schnell abgespült und auch die Töpfe waren nicht wirklich viel Arbeit. Es war schon schwerer, die ganzen sauberen Sachen auf dem kleinen Abtropfgestell unterzubringen.

Währenddessen hörte ich im Hintergrund aus dem Nebenzimmer das Jubeln der Mailänder Fans, als das 4:1 für den AC Mailand fiel.

Fazit: Scheiß die Wand an.
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Die Moser-Klinik

Beware of a gute Laune. It may help you enjoying your lousy life. Gerade in schwierigen Zeiten wie diesen, wo Weltmeisterschaften, nuklare Auseinandersetzungen vor der Tür und heilige Kriege in der Tür stehen, sind Orte der Entspannung und Sammlung ein wahrer Segen.

Mittwochabend, Sternschanzenpark die E-Jugend des SC Sternschanze hat ein Heimspiel. Die kleinen Jungs wetzen durch den staubigen Sand, der Hartplatz ist nicht gerade Technik fördernd und am Spielfeldrand, wer wetzt da – der Trainer der Gästemannschaft. Gerade hat ein Junge eine Flanke knapp ins Toraus geschossen.
"Der kann's nicht! Jedesmal, jede Flanke schießt der hinter's Tor. Jede Flanke! Der kann's nicht! Der kann's nicht!"

Die Frage ist: Wer kann's nicht? An der Hohe-Luft-Chaussee gibt es eine Klinik. Die nennt sich "Moser-Klinik". Was steckt hinter dieser Moser-Klinik? Menschen die zuviel mosern und sich deshalb einliefern lassen? Die stehen dann zusammen am Balkon, sehen auf die viel befahrene Hauptverkehrsstraße und schimpfen: "Ich zahl hier scheißviel Geld, und für was!? Für den Krach?" Langsam und sanft streicht ein Pfleger über den Oberarm des Patienten und besänftigt ihn: "Das ist kein Lärm oder Krach, das ist urbane Lebensqualität."

Oder lassen sich vielleicht Leute einliefern, die Angst haben vor ihrer gruseligen guten Laune. Klinsi wäre vielleicht ein Kandidat. Während den "Fachleuten" die Kniechen schlottern, grinst er sich zur WM. Naja, eigentlich richtig so – sollen lieber die Fachleute in die Moser-Klinik. aber was ist die Moser-Klinik nun wirklich? Na, eine Klinik für ästhetische Chirurgie, was nicht bedeutet, dass sich der Weißkittel tragende da Vinci besonders bemüht, eine gute Figur mit seinen blutverschmierten Handschuhen zu machen, nein, es bedeutet zu großem Prozentsatz – Titten, schöne pralle Titten und weniger Fett, natürlich. Also war die erste Annahme, ja doch ganz nah dran. Falls ihr auch euer Fett wegbekommen wollt und die Titanic euch konsequent ignoriert, hier geht's.
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