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29. Mar. 06, 11:30
Schwarz-Weiß-Malerei. Nach dem Tod von Stanislaw Lem und unter dem Einfluss des Wetters in Hamburg wird ¶Zynthetik - Das Blogzine vorerst im Trauergewand auftreten.
Die Niederschlagswerte gehen hoch wie der Cholesterinspiegel von Reiner "Calli" Calmund, nachdem er sich gestern vor der Staatsanwaltschaft rechtfertigen musste. Immerhin soll er Spiele manipuliert haben.
Vor nicht allzu langer Zeit war ein Interview mit Stanislaw Lem in einer Ausgabe der Galore. Das zu lesen hat sich gelohnt, sowie jedes Sanislaw Lem Buch, das man in die Finger bekommen hat und noch in die Finger bekommen wird.
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28. Apr. 06, 20:56
Von Max Brod unter dem Titel "Gibs auf!" veröffentlicht. Die Kurzprosa von Franz Kafka zeigt in wunderbarer Weise den feinen Humor des ach so düsteren Dichters. Egal welches Stück, es hätte ein Tribute verdient. Lest Kafka!
Es war sehr früh am Morgen, die Straßen rein und leer, ich ging zum Bahnhof. Als ich eine Turmuhr mit meiner Uhr verglich, sah ich, dass [es] schon viel später war, als ich geglaubt hatte, ich musste mich sehr beeilen, der Schrecken über diese Entdeckung ließ mich im Weg unsicher werden, ich kannte mich in dieser Stadt noch nicht sehr gut aus, glücklicherweise war ein Schutzmann in der Nähe, ich lief zu ihm und fragte ihn atemlos nach dem Weg. Er lächelte und sagte: "Von mir willst du den Weg erfahren?" "Ja", sagte ich, "da ich ihn selbst nicht finden kann." "Gibs auf, gibs auf", sagte er und wandte sich mit einem großen Schwunge ab, so wie Leute, die mit ihrem Lachen allein sein wollen.
(Franz Kafka, Poseidon und andere kurze Prosa, Fischer Taschenbuch Verlag GmbH, Frankfurt/M. 1994, S.59.)
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25. May. 06, 04:42
Eines der wenigen Bücher, das mich sowohl sprachlich, als auch inhaltlich, von Seite zu Seite neu fordert, herausfordert und erstaunt. Warum ich es erst jetzt lese ist mir ein Rätsel, ein großes. Das dieses Buch großartig ist, ist ja nichts neues, aber trotzdem sagenswert. Lesen. Tribute. Ein Auszug:
…Was Männer hörig macht: ihre Verachtung der Frau, die sie sich selbst nicht eingestehen; daher müssen sie verherrlichen und stellen sich blind; wenn die Wirklichkeit sie unterrichtet, laufen sie zur nächsten, als wäre die nächste nicht wieder eine Frau, und können von ihrem Traum nicht lassen … Was man verachtet: ihre Passivität, ihre Koketterie noch da, wo es um ganz andere Dinge geht, die Permanenz ihrer Frau-Mann-Position, alle anderen Interessen entlarven sich als Vorwand oder Tarnung oder Zwischenspiel, ihr unstillbares Liebesbedürfnis, ihre Gewöhnung daran, daß sie bedient werden (Streichhölzer) und immer das Vorrecht haben, enttäuscht zu sein, überhaupt ihr Hang zum Vorwurf, wobei der Vorwurf erraten werden muß, ihr Schweigen-Können, sie wollen und können sich selbst undurchsichtig bleiben, ihr Dulden-Können, ihr Kniff, das Opfer zu sein, dazu ihre entsetzliche Tröstbarkeit in jedem Augenblick, ihre Flirt-Anfälligkeit noch im Glück, ihre Bereitschaft und List dabei, daß sie es dem Mann überlassen, was geschiet, und wenn der Mann, um handlen zu können, wissen möchte, woran er ist, ihre Kunst des Offen-Lassens, sie überlassen ihm die Entscheidung und damit die Schuld von vorneherein, ihre Kränkbarkeit überhaupt, ihr Bedürfnis nach Schutz und Sicherheit und dazu der geisterhafte Wankelmut ihrerseits, kurzum: ihr Zauber … Der verheimlichen hat … Der biologische Unterschied: die Frau kann in einer Nacht mit zehn Männern zusammensein, der Mann nicht mit zehn Frauen; er muß Begierde haben, sie kann es geschehen lassen auch ohne Begierde; deswegen ist die Hure möglich, aber nicht das männliche Gegenstück. Die Frau zur Schauspielerei genötigt durch die Eitelkeit des Mannes, spielt ihre Auflösung im Genuß, auch wenn er ausbleibt; der Mann weiß nie ganz sicher, was für die Frau wirklich geschehen ist; es ist der Mann, der sich preisgibt, nicht die Frau; das macht ihn mißtrauisch … Die Frau ist ein Mensch, bevor man sie liebt, manchmal auch nachher; sobald man sie liebt, ist sie ein Wunder, also unhaltbar – …
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1. Feb. 06, 19:02
Checkpoint von Nicholson Baker erschien ihm August 2004, also kurz vor der letzten Präsidentschaftswahl. Was insofern brisant ist, da das Buch in Dialogform die Geschichte eines Mannes erzählt, der überzeugt ist George W. Bush umbringen zu müssen. Eine andere Möglichkeit sieht er nicht. Aus diesem Grund ist er in Washington und trifft sich nun mit einem alten Freund um sich mit ihm über seine geplante Tat zu unterhalten.
Nicholson Baker ist bekannt für seine etwas verschrobenen Hauptfiguren, die sich zumeist einen fast obsessiven Blick auf die kleinen, von allen übersehenen, Details teilen. Sein erster, in den frühen achzigern erschienener, Roman
The Mezzanine (dt. Rolltreppe oder Die Herkunft der Dinge) widmet sich ausschließlich den Kleinigkeiten. Auch sein vorletztes Buch
Eine Schachtel Streichhölzer widmet sich mit leidenschaftlicher Liebe den Miniaturen des Alltags, die viel mehr erzählen als jede große Geste.
Auch in
Checkpoint ist es ein typischer Baker-Protagonist, der mit seiner Sicht einen neuen Blickwinkel schafft. Nur so schafft es Baker, dem heiklen Thema aufrichtige, ehrliche Nachdenklichkeit mitzugeben und umgeht damit der Gefahr des plumpen GeorgeBushHassPop. Ein sehr kurzes, kurzweiliges Buch, dass man, falls man es im Bücherregal stehen hat, ruhig ganz vielen Bekannten ausleihen sollte. Es ist lesenwert.
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