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»aus der mitte«



Der Mann

Nehmen wir einen Mann an, mit graumelierten Haaren. Kurz geschoren, vielleicht zwei Zentimeter lang. Er hat breite Schultern und vielleicht auch einen kleinen Bauchansatz, den wir nicht sehen können, weil er mit dem Rücken zu uns sitzt. Aber der Bauchansatz ist da, muss da sein.

Im linken Ohrläppchen zittert im Rucken der Bahn ein goldener Ohrring, kein Ohrstecker – ein Ring. Recht groß. Könnte einer zierlichen Frau als Ring für den kleinen Finger dienen.

Wir sitzen in einem Zug.
Der Mann hat sich eine Tomatensuppe bestellt.
Wir sitzen im Bord-Restaurant des Zugs.
Die Tomatensuppe ist das billigste Gericht auf der Karte. Dazu trinkt er Radler.
Radler ist nicht das billigste Getränk auf der Karte.

Der breite Rücken kommt vielleicht vom Training oder er ist Veranlagung. Nehmen wir an, er kommt von der Arbeit an einem Gerät, dass die Bildung eines breiten Nacken begünstigt. Dem Mann gegenüber, unter der Bank, steht/liegt sein großer Rollkoffer.

Die freundliche Bedienung geht durch den Mittelgang, an dem Mann vorbei, weiter in das Abteil der ersten Klasse. Ihre dunkelblaue Stoffhose spannt sich begünstigend über ihren schönen Arsch. Der Mann beugt sich zur Seite und starrt auf diesen begünstigten Arsch, bis er nicht mehr sichtbar im übernächsten Abteil verschwindet. Danach saugt er, mit dem der Suppe beiliegendem Brötchen, das letzte Bisschen aus der kleinen weißen Schüssel und lehnt sich zufrieden zurück. Dabei lässt er den Blick abschätzend durchs Abteil schweifen. Er trägt ein dunkelblaues Poloshirt von Baldessarini. Es trennt ihn von den Jungs.
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Wer wird denn gleich weinen?

Eigentlich stand ihm nichts im Weg. Er schien der erste Landesvater, der selbst posthum sein Amt behalten würde. Doch dann kamen die silber haarigen Kronprinzen und – schwupps, bzw. in der Landessprache: Servus machs guad.

Er war ein Star, er war beliebt, er war der Überflieger, der einzige der mehr Stimmen bekam als überhaupt abgegeben wurden. Doch dann kam der Fall. Die Niederlage gegen den Genossen der Bosse und dann dieses Weib, dieses ostdeutsche Weib, dass seiner Muschi niemals das Wasser reichen konnte. In die Spitzenposition intrigiert von Scarface und Konsorten, diesen Wendehälsen. Was blieb ihm da anderes übrig als die Flucht zurück, in den warmen Schoß, nein, nicht von Muschi, von Bayern.

Doch dieses Märchen vom Überflug, von der totalen Dominanz findet ein jähes Ende. Die Geier kreisen nicht mehr, sie weiden sich bereits, an Innereien, an Ämtern und an fremden Errungenschaften. Die Geier die er an seiner eigene Brust nährte, aufbaute, denen er das Fliegen beibrachte. Ihr Schmatzen hallt durch die Republik. Und selbst in der Politik gilt ein Gesetz des Fußballs. Auch wenn man mal den Meister anpinkelt, am Ende steigt St. Pauli doch ab. Den Stoiber gestürzt und nun Beckes und Huber den Heber an der Backe. Tja haste Scheiße am Schuh, haste Scheiße am Schuh. Ade Ede, war ne wunderbar beschissene Zeit mir dir.
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2007 ~ und was kommt als nächstes?

Das Jahr ist noch pupsfrisch und kaum trocken auf der Straße, da sieht es sich dem großen Erwartungsdruck der Menschheit ausgesetzt. Was wird es uns bringen? Wird alles besser/schlechter oder einfach wie immer – halt irgendwie?

Sicher, es mangelt nicht an "Was-wird-uns-das-Jahr-2007-bringen-Prognosen", aber ein paar Kleinigkeiten gibt es da schon zu erwähnen. Kaum sind ein paar Tage vergangen, ertappen sich doch einige dabei, einen Satz zu denken, der undenkbarer kaum sein kann, gerade in Deutschland. "Ich freu' mich auf Hitler." Wer hätte gedacht, dass man das einfach mal so schreiben kann, nun aber ist es möglich, mit Helge Schneider in der Hauptrolle. Uiuiui, was können wir uns auf diesen Film freuen. Schluss mit dem ganzen "darf-man-das-denn-in-Deutschland-gelaber". Erst mal gucken, dann reden und vor allem, das Sommermärchen nicht vergessen. Schade das der Film von Dani Levy nicht "Deuschland – ein Demokratiemärchen" heißt. Egal, ob der Film gut ist oder nicht, wen interessiert das schon.

Frohes neues Jahr auch von hier aus.
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Beware the WM-Flair, er ist unter uns!

Kaum flutscht das Stöckchen ein wenig aus dem Popo eines jeden Deutschen wird schon wieder draufgehauen. Und so fragt der Feulleton und die Presse und einfach jeder nüchterne Journalist, ist das denn Okay? so mit den Flaggen und dem Spaß und dem Suff? Und das zurecht, denn ...

Er ist immernoch unter uns. In tausenden Facetten, Abwandlungen und Formen. Da muß man einfach nachhaken und nachfragen. Und das tut die deutsche Presse auch. Jeden Tag. Jeden der vor das Mikro stolpert: "Dürfen wir das? Ist uns das erlaubt?" Schließlich sind wir einst dem Bösen verfallen und daran müssen wir ja immer denken. Dabei kann man nicht lächeln. Aber das tut gerade jeder. Sind wir wieder kurz davor unserer Demokratie den Laufpass zu geben? Muss Guido Knopp ins Exil, um von dort der deutschen Unterschicht mit gezielter Knoppagande ein fundiertes Halbwissen, mit nachgestellten Szenen, zu liefern um einen, diesesmal funktionierenden, Widerstand aufbauen zu können?

Ne, oder? Ist ja nur Fußball. Aber nachfragen kann man ja mal. Auch wenn jeder zweite ausländische Korrespondent schon genervt mit den Augen rollt und sagen will: "Ja, ihr dürft das, ist schon okay."

Eigentlich wollte ich nur diese Zauberhafte Seite vorstellen: Hitler Cats
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Losing my religion in a mad world.

Es ist nicht schön verfolgt zu werden, außer vielleicht vom Erfolg, aber das ist wieder etwas anderes.

Ich werde verfolgt und zwar hartnäckig – von einem Song. Losing my Religion von REM ist hinter mir her. Das ist nicht schön. Ich mag weder die Band, noch den Song (REM ist nicht schlecht, aber bitte, das war es auch schon). Doch nun zur Verfolgung. Es ist nicht so, dass mich der Song einfach nur verfolgt. Es ist ungemein gemeiner und subtiler. Der Song verfolgte mich bis jetzt bei nur einer bestimmten Tätigkeit: Beim Liftfahren. Wenn ich beim Skifahren, auf einem kleinen Hang in Nordbayern im Lift stehe, höre ich diesen Song und ich kann nicht flüchten, ausser, ich würde mich aus dem Lift werfen…
Es ist nämlich so, dass an einem Lift oft Radio läuft, was einem erst dann bewußt wird, wenn man wehrlos im Schlepplift steht. Dann ist es Zeit für: Losing my religion. Das stimmt mich nachdenklich, denn das passiert immer wieder und von meiner Religion ist wahrlich nicht mehr viel übrig. Natürlich erzähle ich meiner Freundin davon, dass mich dieser Song verfolgt, beim Skifahren und sie lacht mich aus – zu recht. Bis: Wir zusammen schwimmen waren, in einem Hallenbad. Es lief Radio und während ich ernüchtert feststelle, dass selbst die älteste Oma schneller schwimmt als ich, höre ich? Richtig. So ziehe ich meine Bahnen und dann kommt der Todesstoß. Mad World, die Coverversion von Gary Jules. So traurig, so schön. Ich habe kaum mehr den Beckenrand erreicht, zu schön war der Gedanke ans Ertrinken. Gut das ist schon mal möglich, dass zuerst REM und dann… Nach dem schwimmen weise ich natürlich meine Freundin daraufhin – und sie lacht mich wieder aus. Zurecht?

Das Finale:
Wir waren Skifahren und kurz nachdem wir unsere Skipässe gekauft hatten schallte aus den Lautsprechern losing my religion. Da konnte ich nur schmunzeln und meine Freundin mit mir. Als wir dann im Schlepplift standen und Mad World wollte ich lachen – aber es blieb mir im Hals stecken.

Das Fazit:
Die Kirchentür an der Seite des Kirchenschiffs sagt:
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Der beste PR-Gag aller Zeiten

Es gibt verschiedene Werke oder Taten, die ein Tribute verdient haben und dazu gehört auch der beste PR-Gag aller Zeiten.

Das Tribute geht mit größter Hochachtung an Mani Schaman Turki al-Habardi al Utaybi, Jasser al Sahrani und Ali Abdullah Ahmed. Die drei, ehemaligen, Häftlinge von Guantanamo sind verantwortlich für den gelungene PR-Gag - ihren Selbstmord. So wurde er zumindest von Colleen Graffy, einer Regierungsbeamtin der US-Regierung, gegenüber der BBC bezeichnet. Ihr Wortlaut: "(...) ein guter PR-Gag, um Aufmerksamkeit zu erregen(.)" Auch Konteradmiral Harry Harris weiß genau: "Sie sind gerissen. Sie sind erfinderisch. Sie sind von ihrer Sache überzeugt. (...) Sie haben keine Achtung vor dem Leben, weder vor unserem noch vor ihrem eigenen. Ich glaube, das war kein Akt der Verzweiflung, sondern ein Akt (...) der Kriegsführung gegen uns." Dies ist zu lesen unter Tagesschau.de

Von hier auch einen Glückwunsch an die drei. Vier Jahre in Haft ohne zu wissen warum, kein Kontakt zu anderen und dann vielleicht noch gefoltert. Da wurde es ja mal Zeit für einen PR-Gag. Vielleicht bekommen Harry Harris und Colleen Graffy in Zukunft auch mal ein Tribute - für unfassbar zynische Menschenverachtung.
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Tschö Klinsi, tach Jogi

Er wollte nur etwas Bedenkzeit und mehr brauchte er auch nicht. Jürgen Klinsmann hat sich gegen den DFB und für seine Linie entschieden.



Eigentlich war es ja vorhersehbar, dass Jürgen Klinsmann sich gegen einen Verbleib als Bundestrainer entscheiden würde. Zu deutlich wurden ihm die beiden Seiten der Medaille in den letzten zwei Jahren vorgeführt: himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt. Vor ein paar Monaten fast vor den Sportausschuss des Bundestags zitiert, um darauf in allen Herzen der Republik ein Kuscheleck zu bekommen. Eine Berg- und Talfahrt die sicher ihr Spuren hinterlassen hat. Hoffentlich kommt die Diskussion um die Entscheidung Klinsmanns auf genau diesen Punkt. Wessen Lobby bezweckt welche Entscheidung. Das alte und neue Beispiel ist auch hier die Bild-Zeitung. Versuchte sie noch nach dem Italien-Spiel vor der WM ihren, protegierten Schützling Matthäus in Position zu bringen, so bog sie bei der WM massenwirksam in die Klinsi-ist-super-Schnellstraße ein, um von der Euphorie zu profitieren. Nun, nach der WM, werden sich die alten Fronten schnell wieder formieren und Jogi Löw wird sich im Hauen und Stechen wiederfinden, wenn es während der Qualifikation zur EM nicht so rund läuft. Was auch nicht verwunderlich wäre, denn jedes junge Team hat schwächere Phasen und diese wird auch dieses Team weiterhin haben. Da werden sich schnell wieder diejenigen herauskristallisieren, die sich einfach nur selbst in Position bringen wollen, aber auf der anderen Seite auch diejenigen, die diese Mannschaft wirklich unterstützen. Vorwärts Jogi!
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A Fehleinschätzung a day

Der Weg zur Arbeit. Menschen die ihre Energie Bündeln, denn gleich geht es los, gleich geht es zur Sache. Da fahren die Räder fix, die Autos biegen flink um die Ecke und die Fußgänger haben ein ambivalentes Verhältnis zur Ampel. Und über allem schwebt die Sehnsucht ? nach einer Stunde länger schlafen.

Ein Tag besteht aus lauter kleinen Entscheidungen und wo gehobelt wird da fallen Späne. Wieso sollte es anders sein? Das tägliche Scheitern, die kleinen falschen Entscheidungen die einem gerne ein Schweißperlchen auf die Stirn zaubern. Selbst auf dem alltäglichen Weg zur Arbeit lauern sie an jeder Kreuzung und jede einzelne von ihnen birgt die Möglichkeit, es zu versemmeln. Neulich an der Kreuzung, ein Bild intensiver, fast ängstlicher Nervosität. Ein Mann, Mitte 30 im gutsitzenden grauen Anzug, blond kommt mit beherztem Schritt auf eine Fußgängerampel zu. Die Straße ist breit und die Autos stehen schon in ihren Startlöchern. Die Fußgängerampel springt auf rot, noch bevor er die Straße erreicht. Doch nun folgt die Entscheidung. Er beschleunigt seinen Schritt, sieht zu den Autos, zu der Straße (dreispurig, bis zu ersten Verkehrsinsel) und tritt mit Mut auf die Straße. Das schaff ich schon, denkt sich der Geschäftsmann. Doch kaum drei Meter gelaufen, springt die Ampel der Autos auf Grün. Ummdrehen? Das scheint dem Mann nicht zu entsprechen. Er beschleunigt seinen Schritt nochmals, holt alles aus seinen Beinen, die Autos setzen sich in Bewegung. In seinen Augen tritt die Nervosität, mit etwas Angst untermengt. Die ersten Autos hupen, aus seinem Gesicht weicht die Farbe. Jetzt ist es soweit, er rennt. Hinter ihm schießen die Autos über die Kreuzung, vor ihm hält er flehenden Blickkontakt mit den ungehaltenen Fahren die wegen ihm warten müssen. Endlich, er erreicht die Verkehrsinsel. Sein atem beruhigt sich langsam und obwohl auf der Gegenseite kaum Verkehr ist, wartet er auf die nächste Grünphase.
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Veni Vidi Vici

Es ist geschehen, die K-Frage die das Land gespalten hat ist beantwortet. Jens Lehmann ist unser Hüter, Torhüter. Der Keeper.

Zuerst jedoch ein kleines Dankeschön an unseren Titan. Er ist in über 80 Länderspielen für uns durch den Sechzehner geflogen und hat dabei so manchen Kollateralschaden verursacht, aber auch so manches Spiel gerettet. Danke Oli. Aber, obwohl ich deinem Heimatverein sehr zugetan bin und das Entsetzen deiner Vorgesetzten verstehen kann, muss ich zugeben, die Entscheidung ist wohl die Richtige. Jens Lehmann ist für diese Mannschaft die Richtige Wahl. Und jetzt kein dummes Geunke von Lehmann-Feinden, die jetzt sagen könnten: Jaja, zu den Rumpelfüßlern passt halt auch ein Rumpeltorwart. Nein, der Lehmann ist ein großartiger Torwart, der es verdient hat bei der WM im Tor zu stehen. Denn er ist, obwohl wie Kahn schon 36 Jahre alt, der modernere Torwart.

Auch wenn wir uns immer über die fehlende Qualität der deutschen Kicker beschweren, es gibt kein Land auf der Murmel mit einer höheren Dichte an großartigen Torhütern. Lehmann, Kahn, Hildebrandt, Weidenfeller, Enke, Wiese...
Jeder dieser Torhüter wäre in der Lage bei einer WM herausragendes zu leisten. Bei der letzten WM war Oliver Kahn in der Form seines Lebens, wurde zum Spieler des Turniers gewählt. Kein Torhüter vor ihm hatte das je geschafft und fast wäre er zum ersten Mal in der Geschichte des Fußballs, als Torhüter zum Weltfußballer des Jahres gewählt worden. Zumindest war er 3 Mal in Folge Welttorhüter, eben der Titan.
Lehmann steht mittlerweile dem in nichts nach. Einer der wenigen Unterschiede zwischen Lehmann und Kahn war lange nur, dass wenn Oli einem Gegenspieler mal wieder in den Nacken gebissen hatte, er nicht vom Platz flog im Gegensatz zu Lehmann dem dafür meistens nur eine Blutgrätsche reichte. Aber im Gegensatz zu Kahn hatte Lehmann über seine Aussetzer nicht geschmunzelt, sondern ernsthaft in Frage gezogen, aufzuhören, weil er "sich selbst nicht wieder erkenne". Der Mann hat tatsächlich was zwischen seinen Pfosten. Während Kahn der Torwart mit den meisten Roten Karten in der Geschichte der Bundesliga ist. Das hat nicht einmal Toni Schumacher oder Uli Stein geschafft. Tja der Titan eben. Aber nun fliegt Jens für uns durch den Strafraum.





Vielleicht bleibt Kahn der Nationalmannschaft ja erhalten, denn vielleicht hat er ja von seinem Arbeitgeber gelernt, dass eine gut besetzte Bank, bei einem Turnier oft entscheidend sein kann und mit Kahn auf der Bank, wäre diese so gut wie nur möglich besetzt. Außerdem, man erinnere sich nur an Goichochea, der Torwart der argentinischen Mannschaft in Italien 1990. Als dritter Torwart hätte er nur auf der Bank sitzen sollen. Dann verletzten sich der erste und zweite Torwart in einem Spiel und er wurde zum Torwart des Turniers. Er ging als der Elfmeterkiller in die Geschichte ein. Nur im Finale hatte er keine Chance. Das erinnert doch auch irgendwie an Oliver Kahn.
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Free the Sign and the rest will follow?

In Baden-Württemberg findet gerade eine Offensive gegen den Gebrauch faschistischer Symbole, im speziellen den Gebrauch des Hakenkreuzes, statt. In welchem Zusammenhang das Symbol verwendet wird ist dabei nicht einmal sekundär von Bedeutung. Selten wird die bigotte Mainstreamverarbeitung der Vergangenheit besser auf den Punkt gebracht.

Kaum vorstellbar, das der Verband der Verfolgten des Naziregimes (VNN) wegen Verstoßes gegen das Gesetz § 86a des Strafgesetzbuches, ins Blickfeld Stuttgarter Ermittler gerät. Unfassbar, aber wahr. Eine Argumentation der Ermittler ist folgende: Man möchte den Gebrauch des Hakenkreuzes, egal in welcher Form, unterbinden, um zu vermeiden dass man sich in der Öffentlichkeit wieder an das Symbol gewöhnt.
Diese Argumentation legt eine Verarbeitungsstrategie offen, die nicht an einer Verarbeitung im Sinne einer aktiven Konfrontation oder einer vielleicht kontroversen Auseinandersetzung interessiert ist, sondern einer stumpfen Dämonisierung: Man ist in diesem Land gegen Nazis weil man das halt ist und nicht, weil man begriffen hat, was es bedeutet für sie zu sein. Eine aktive, bewußte Konfronation könnte ja unangenehm werden. So scheint es zumindest. Es ist eben leichter zu sagen, der Adolf war das Böse. Also sind wir halt mal dem Bösen verfallen und gut ist. Darf halt nicht mehr passieren. Das der Kerl ein Mensch war und gleichzeitig ein gewählter Politiker, macht das Ganze natürlich etwas ungemütlicher. Aber so war es nun einmal.
Indem man ein Symbol das eigentlich viel älter ist stigmatisiert und verbannt löst man kein Problem, sondern schafft im Gegenteil viele neue. Aber vielleicht geht es mal wieder nicht um die Lösung von Problemen, sondern nur um den schönen Schein. Bravo. Hauptsache die Autobahnen sind fein geteert.
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