Am I allowed to find this gut? Fragt sich manch ein zartes Pflänzchen, wenn es sich doch einfach nur die richtigen Sachen anhören will, aber nicht mit dem nötigen Interkulturellen-Pop-Kontext vertraut ist. Aber da gibt es sicher Auswege.
Eines Nachts bin ich schweißgebadet aufgewacht, ich hatte einen Alptraum: Das Musikmagazin Spex hatte sich aus seinen unsagbar miesen Verkaufszahlen zum Powerseller Nummer 1 erhoben, so dass sogar die Poprocky zitterte. Jeder wusste was er zu hören hatte und was nicht. Jetzt rannten alle der wirklich richtigen Sau durch die Stadt nach. Ich konnte es kaum ertragen, also wachte ich auf, im Glauben der Traum sei vorbei. Ich ging zum Schrank, griff ohne hinzusehen hinein, um mein durchnässtes T-Shirt zu wechseln. Ich zog das neue an, drehte mich zum Spiegel und erschrak fürchterlich, ich trug ein "
Stefanie Hertel" Fan-Shirt. Jetzt erwachte ich wirklich.
Was sollte mir dieser Traum sagen? Ist es so schwer dem Fancyfaschismus zu entkommen? Was muss man mögen und was nicht, oder ist das alles einfach nur gequirrlte Scheiße, wie schon Warlock, damals noch mit Frontfrau
Doro Pesch sang:
"All we are, all we are. We are all, all we need."
Mit dem Song hatte ich in der sechsten Klasse den internen Charts-Wettbewerb zum zweiten Mal hintereinander gewonnen. Mein erster Treffer in der 5. war noch
Joan Jett and the Blackhearts mit "I love Rock'n'Roll". Ich hätte damals nie gedacht, dass meine Strähne reißen könnte. Als ich im Jahr darauf mit den Ärzten baden ging, war ich am Boden zerstört. Abzutreten ist nie einfach,
das weiß jeder Titan.
Aber nicht nur damit musste ich mich abfinden. Später fiel ich komplett auf die Schnauze als ich es mit "The Gentle Art of making Enemies" von Faith no more nocheinmal probierte. Nicht jedes Comeback ist von Erfolg gekrönt, siehe die Stones.

Die paar Millionen verkauften Platten und ausverkauften Stadien. Wer fragt da schon nach den Trombosestrümpfen die Keith auf Transatlantikflügen trägt, damit sein Klumpblut nicht doch noch schafft, was das Heroin nicht hingekriegt hat.
Wo liegt also der Hund begraben, der richtig betonte? Sicher nicht auf dem Friedhof Père Lachaise, da liegt ein anderer Hund, der die Unverschämtheit besaß, sich nach seinem Tod an pubertierende Spätzünderhippies ausverkaufen zu lassen. Das hätte er nicht tun dürfen. Jetzt liegt er da, dass Würstchen und hat sich die Streetcredibility gehörig versaut. Dabei wollte man ihn doch einfach nur ein bißchen durch die Straßen treiben. Da bleibt also nicht viel übrig, vom Teenie-Shiny-Glanz der Coolness und so wirklich schlauer bin ich immernoch nicht. Naja, wenigstens ist das neue Yeah Yeah Yeahs Album saugut und der Titel passt auch irgendwieahaa.
Viel gibt es da nicht mehr zu sagen, außer vielleicht –
Jeder braucht irgendwann ein Gebet.